Radsport-Nachrichten:
Denise Zuckermandel beendete ihre Radsportkarriere
05.01.2011
Ansbach - Mit Platz zehn in der Rangliste der deutschen Frauen-Eliteklasse,
war Denise Zuckermandel auch 2010 eine der erfolgreichsten Fahrerinnen. Umso
mehr überrascht es, dass die 22-Jährige, die sich im Vorjahr als Neunte und
einzige Nachwuchsfahrerin unter den Profi-Frauen platzieren konnte, kurz vor
Weihnachten ihren Rücktritt vom Rennsport bekannt gab.
Nach reichlicher Überlegung hat sich die gebürtige Ansbacherin schweren
Herzens dafür entschieden, sich künftig ganz ihrem Lehramts-Studium zu
widmen. „Ich stand vor der Entscheidung eine Profi-Lizenz zu lösen, um mich
im Radsport weiter zu entwickeln, oder meine Karriere zu Gunsten des
Studiums zu beenden“, erläutert Denise Zuckermandel ihren Entschluss. Seit
1992 - als die Ansbacherin Claudia Lehmann die Straßen-DM der Frauen gewann
- war Denise Mittelfrankens erste Radsportlerin, die den Sprung in die
Frauen-Nationalmannschaft schaffte!
Denise Zuckermandel´s Pechsträhne mit Erkrankungen und Verletzungen im
Rennjahr 2010 war zwar nicht der Grund für ihren Rücktritt, doch nach der
unglücklichen Saison fiel ihr die Entscheidung, ihre Karriere zu beenden,
sicher etwas leichter. „Am meisten hat es mich geärgert, dass ich zum
Saisonbeginn krank wurde und nicht bei meinem Lieblingsrennen, der ´Drentse
8 van Dongerloo´ in Holland dabei sein konnte“, sagt Denise, die sich sehr
intensiv auf die gefürchteten Frühjahrsklassiker in Belgien und Holland
vorbereitet hatte. Denise liebte die schweren Rennen die im April meist
unter extrem schlechten Wetterbedingungen in Holland und Belgien über
brutale Kopfsteinpflaster-Routen führen. „Das war typisch für Denise, sie
konnte nichts erschüttern, denn sie war unglaublich hart im Nehmen und ihr
Ehrgeiz war außergewöhnlich“, schwärmt Harald Schwager, der den Rücktritt
von Denise am meisten bedauert.
Der 1. Vorsitzende von „bike-sport Ansbach“ war 2002 ihr „Entdecker“. Acht
Jahre lang war er Betreuer, Berater und Trainingspartner der erfolgreichen
Nachwuchsfahrerin, die nach einem Sieg beim „Ersten Schritt“ als 14-Jährige
von der Leichtathletik zum Radsport wechselte. „Wir hatten in unserem Verein
im Laufe der Jahrzehnte immer wieder mal viel versprechende junge
Fahrerinnen und Fahrer, doch bei Denise war ich vom ersten Rennen an
überzeugt, das sie ein echtes Ausnahmetalent ist“, erinnert sich Harald
Schwager, der für Denise alljährlich die Trainingspläne erstellte und mit
ihr akribisch auswertete. „Ihre Leistungskurve stieg Jahr für Jahr
kontinuierlich an. Denise wurde sehr bald Junioren-Nationalfahrerin und
Vize-Meisterin auf der Straße. Seit zwei Jahren zählte sie nun auch bei den
Frauen zur deutschen Spitzenklasse“, sagt Harald Schwager stolz. Dabei
gesteht Denise schmunzelnd: „Ich wollte eigentlich schon als Juniorin mit
dem Radsport aufhören, denn ich dachte, dass ich nie bei Profi-Frauen wie
Arndt, Worrack und Co. mithalten kann“. Mit ihrem enormen Trainingsfleiß hat
Denise den Wechsel in die Frauen-Eliteklasse vor vier Jahren jedoch
reibungslos gemeistert. „Gut in Form brachten mich vor allem immer die
Rundfahrten, weshalb ich jedes Jahr möglichst viele gefahren bin. Ansonsten
trainierte ich regelmäßig dreimal pro Woche jeweils drei bis vier Stunden“,
verrät Denise Zuckermandel ihr „Erfolgsgeheimnis“.
Neben ihrem Studium, das Denise Zuckermandel seit zwei Jahren in Würzburg
absolvierte, hatte sie stets nur ein großes Ziel. „Ich wollte so oft wie
möglich im Nationaltrikot starten, denn dabei hatte ich Gelegenheit bei
internationalen großen Rennen gegen die besten Profi-Frauen zu fahren“, sagt
die schnelle Sprinterin, die bei regionalen Rennen für ihren Ansbacher
Verein startete und seit 2008 in der Bundesliga für das „Team Stuttgart
“ fuhr. Bei ihren internationalen Einsätzen bewunderte Denise Zuckermandel
stets Emma Johannson. „Die vielseitige Schwedin hat immer eindrucksvoll
bewiesen, dass man auch ohne eine große Mannschaft ganz vorne dabei sein
kann“.
Vorne dabei war Denise Zuckermandel ebenfalls fast immer; zunächst als
Jugendfahrerin, als Juniorin und ab 2007 bei den Rennen der
Frauen-Eliteklasse. Mit ihrem fünften Rang bei der U23-Europa-Meisterschaft,
Platz acht bei der Straßen-DM und einem dritten Platz bei der Tour de
`L´Aude konnte sie bereits 2009 eindrucksvoll beweisen, dass sie endgültig
zur deutschen Spitzenklasse zählt.
Zum Ausklang der Saison 2010 kam Denise noch mal richtig gut in Form: Bei
der holländischen Ladies-Tour konnte sie mit einem vierten, einem fünften
und einem achten Etappen- Platz eindrucksvoll ihr Können zeigen. Trotz ihrer
zahlreichen sportlichen Erfolge blieb Denise Zuckermandel stets realistisch:
„Vom Radsport kann ich nicht leben, viel wichtiger ist später ein guter
Beruf“, lautete schon immer ihre Devise. Entsprechend fleißig büffelte
Denise, vor allem in den Wintermonaten für ihr Studium. „Der Spagat zwischen
Radsport und Uni war oft schon sehr stressig. Ich denke, dass ich mich
richtig entschieden habe“, sagt Denise Zuckermandel und etwas zerknirscht
fügt sie hinzu: „Allerdings wird mir im Frühjahr etwas fehlen“.
Manfred M a r r