Radsport-Nachrichten:
Grischa Janorschke, derzeit Bayerns erfolgreichster Straßen-Profi
05.05.2011
23-Jähriger Franke gewann den rheinischen Klassiker Köln-Schuld-Frechen
Altenkunstadt/Lauf - „Nach einem größeren Erfolg macht es natürlich noch mehr Spaß“, sagt Rad-Profi Grischa Janorschke. Der 23-jährige Oberfranke, der seine dritte Saison im Trikot des Dortmunder Teams „Nutrixxion-Sparkasse“, bestreitet, überraschte im März als verdienter Sieger des traditionellen Frühjahrs-Klassikers „Köln-Schuld-Frechen“. Als großes Talent gilt der gebürtige Altenkunstädter in Radsportkreisen schon seit Jahren, doch der Weg nach oben ist hart in dieser extrem schweren Sportart, die seit 2006 um ihren guten Ruf kämpft. Vor allem die Generation der jungen und ehrgeizigen Nachwuchs-Profis muss zu unrecht vieles ausbaden.
„Wir jungen Fahrer können nur eines tun, nämlich sauber und fair unseren Radsport präsentieren“, sagt Grischa Janorschke, der nichts mehr hasst, als den Betrug mit Doping. „Das sind echt Kriminelle, die unseren schönen Sport extrem großen Schaden zufügen“, schimpft der derzeit erfolgreichste bayerische Rad-Profi.
Schon als Schüler fiel Grischa Janorschke, der mit zehn Jahren 1998 beim Heimatverein RVC Altenkunstadt seine ersten Rennen fuhr, als zäher Kämpfertyp auf, den vor allem die schwereren Straßenrennen reizten. „Einer der beißen kann“ - wie man im Radsport sagt - ist Grischa Janorschke auch nach rund zehn erfolgreichen Jahren als Jugendfahrer, Junior und Amateur geblieben. Sein Wechsel ins Profilager führte 2006 zunächst über die fränkische Nachwuchsmannschaft und Talentschmiede „Team Heizomat“. Ein Jahr später unterschrieb er einen Vertrag beim Milram-Fohlenteam, für das er 2007 und 2008 erfolgreich bis zur Auflösung der Mannschaft fuhr. Für das neu gegründete Team „FC Rheinlanf-Pfalz/Saar Mainz“ wollte Grischa Janorschke ab 2009 starten. Doch die allgemeine Krise, die den Profi-Radsport noch immer fest in Griff hat, ließ dieses Projekt nach wenigen Wochen scheitern. Ein Alptraum für den jungen Radprofi: „Plötzlich stand ich nach den ersten Wochen ohne ein Team da“, erinnert sich Grischa Janorschke, dessen eindrucksvolle Leistungen jedoch nicht unbemerkt blieben: „Mark Claußmeyer nahm mich noch im April 2009 in das Team Nutrixxion-Sparkasse auf. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich meine Profi-Karriere fortsetzen konnte“, sagt Grischa Janorschke, der sich 2010 mit drei Saison-Siegen bedankte. Seinen ersten viel beachteten internationalen Erfolg feierte er im Oktober als Etappen-Sieger der „Tour de Seoul“ in Südkorea!
Die harte „Profi-Lehrzeit“ hat Grischa Janorschke in den vergangenen Jahren mit Bravour absolviert, wobei er sich stets vorbildlich in den Dienst der Mannschaft stellte. „Grischa traue ich einen weiteren Sprung nach vorne zu“, schwärmt Nutrixxion-Teamchef Mark Clausmeyer, der den jungen Bayern inzwischen als eine der „wichtigsten Stützen“ seiner 12-köpfigen Mannschaft bezeichnet, zumal Janorschke auch zu jenen Fahrern zählt, die während der gesamten Saison konstant gute Leistungen bringen. Seine alljährlichen Top-Ergebnisse bei den ersten Frühjahrs-Rennen sprechen für seinen außergewöhnlichen Trainingsfleiß. Außergewöhnlich ist auch Janorschke´s Einstellung: Im Gegensatz zu anderen Profi-Kollegen fährt er im März/April die gefürchteten Rennen in Belgien, Holland oder Frankreich bei Kälte, Wind und eisigen Regenschauern sehr gerne. Sein Geheimnis: „Man muss diese Rennen wirklich mögen, sonst hat man kaum eine Chance dabei gut abzuschneiden“, sagt er schmunzelnd. „Die stundenlange Quälerei unter extrem schlechten Bedingungen erfordert einen enormen Einsatz, wie kaum in einer anderen Sportart“, weiß Grischa Janorschke, der auch sein zweites Geheimnis verrät: „Wenn man in den Wintermonaten viel und hart trainiert, läuft es immer besser“.
Immer besser und vor allem professioneller wurde in den beiden letzten Jahren auch das Trainingsprogramm von Grischa Janorschke, der dabei auf die bewährte Leistungsdiagnostik und auf die Trainingspläne des erfahrenen Sportwissenschaftlers Dennis Sandig vertraut. Der Cousin der Frankfurter Radlegende „Didi“ Thurau, der jahrelang auch für die erfolgreiche Frauen-Profimannschaft „Equipe Nürnberger“ im Einsatz war, zählt seinen
Schützling Janorschke zu den derzeit hoffnungsvollsten deutschen Radsport-Talenten: „Grischa hat noch erhebliches Potenzial, die richtige Einstellung und auch den nötigen Ehrgeiz“ Davon ist auch der einst vierfache Deutsche Meister Dieter Burkhardt aus Nürnberg überzeugt, dessen Sohn Holger vor vier Jahren zusammen mit Grischa Janorschke den Schritt ins Profilager wagte: „Wie Grischa vor kurzem Köln-Schuld-Frechen gewonnen hat,
war sehr eindrucksvoll. Er ist auf einen guten Weg nach oben“, urteilt Dieter Burkhardt. Über das Lob des fränkischen Altmeisters freut sich Grischa Janorschke besonders, zumal er auch Dieter Burkhardt viel zu verdanken hat: „Er hat mir und Holger in den ersten Jahren immer wieder wertvolle Tipps gegeben, mir zu meinem ersten Profi-Vertrag verholfen und er steht mir auch heute noch gerne mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Grischa Janorschke, für den die Region um Nürnberg inzwischen zur zweiten Heimat wurde: „Ich bin oft bei meiner Freundin Lisa in Lauf und zum Training treffe ich mich dann mit Holger Burkhardt, mit dem Schwabacher Profi René Weissinger und mit meinem Katzwanger Nutrixxion-Teamkameraden Sebastian Körber. Schon jetzt freut sich Grischa Janorschke auf den Frankfurter Rad-Klassiker am 1. Mai und vor allem auf die Bayern-Rundfahrt: „Das sind für mich die nächsten großen Höhepunkte bei denen ich alles für mein Team geben werde“. Daran zweifelt in der Radsportszene niemand - man wird sich den Namen des ehrgeizigen Franken merken müssen!
Manfred M a r r